Interview im ProfiFoto Magazin

30/05/2019

Eigentlich bin ich ja lieber hinter der Kamera und lasse meine Bilder sprechen, doch für die neue Ausgabe des ProfiFoto Magazins stand ich gerne für ein kurzes Interview Rede und Antwort. Der Artikel „Der Boom der Hochzeitsfotografie“ beleuchtet den aktuellen Stellenwert der Hochzeitsfotografie in der Fotografieszene und bei den Hochzeitspaaren selbst. Ich erzähle von den Anforderungen an eine Hochzeitsfotografin, den Wünschen und Vorstellungen der Paare und wie es einem Fotografen gelingen kann ein Alleinstellungsmerkmal für sich zu finden. Schaut doch mal rein!

Hier mein Interview in voller Länge:

1. Wie ist der gestiegene Status der Hochzeitsfotografie für Sie zu erklären?

Hochzeiten stehen heute im wahrsten Sinne des Wortes mehr im Fokus. Brautpaare haben höhere Budgets und sind gewillt, diese für ein unvergessliches Fest mit Freunden und Familie einzusetzen. Viele Paare fangen heute ja schon zwei Jahre vor der Hochzeit mit der Planung an. Diese Planungszeit spiegelt sich meist in unheimlich viel Liebe zum Detail wider. Die Hochzeitsfotos sind dann auch eine Dokumentation dieser Planung und Detailliebe. Hinzu kommt aber auch, denke ich, dass die Paare durch den Blog-Boom, Pinterest und Instagram einfach viel mehr sehen, was möglich ist, und sich genau solche Hochzeitsbilder wünschen. Früher kannte man als Hochzeitsfotos nur das, was man im Schaufenster des Portrait-Fotostudios gesehen hat. Heute ist das Angebot wesentlich vielfältiger – daher ist auch die Nachfrage höher. Und ein ganz anderer Punkt: Durch Social Media zeigen die Menschen auch gerne etwas von sich, sie sind es einfach gewohnt, schöne Momente zu teilen und wünschen sich dann auch dementsprechend wunderschöne Bilder für die Ewigkeit.

2. Wie hat sich dieser Wandel auf Ihre eigene fotografische Arbeit ausgewirkt?

Ich bin in die Hochzeitsfotografie eingestiegen, als der Boom gerade startete. Früher ging man erst einmal von Brautpaar-Portraits und Familienbildern in allen Konstellationen aus. Heute gehört aber auch die Still Life-, Deko- und Interieur-Fotografie dazu, da Brautpaare viel Geld in Deko-Konzepte und Atmosphäre stecken. Diese Stimmung gilt es einzufangen. Die Paare wünschen sich auch keine gestellten Fotos mehr, sondern eine Hochzeitsreportage, die ihren Tag authentisch einfängt – und das von morgens bis abends. Vor zehn Jahren noch war die „Getting ready“-Fotografie – also die Begleitung des Stylings und des Anziehens – vollkommen unbekannt, heute ist jedem Brautpaar die Begleitung des „Getting ready“ total wichtig.

3. Was ist das Geheimnis von guter und erfolgreicher Hochzeitsfotografie?

Ich denke, es ist wichtig, die Stimmung und die Momente einzufangen; eher auf Situationen zu reagieren denn zu inszenieren. Perfekt ist es dann, wenn man jeden Moment einfängt, ohne selbst präsent zu sein. Brautpaare sind immer unheimlich glücklich, wenn sie das Gefühl haben, mich gar nicht bemerkt zu haben. Schließlich sind das ihre ganz intimen, einmaligen Momente im Leben. Als Fotograf ist von einem ein breites Spektrum gefordert, von Portrait und Reportage über Interieur bis hin zu Veranstaltungsfotografie. Es gibt bei keiner Hochzeit perfekte Bedingungen, als Fotograf gilt es aus allen (Licht-)Situationen etwas zu machen. Die Hochzeitsfotografie ist lang nicht so planbar wie ein Werbe-Fotoshooting. Auch muss man sich auf Menschen einlassen und sie mitnehmen können – Brautpaare sind keine Profi-Models, man muss ihnen in ganz kurzer Zeit absolute Sicherheit vermitteln.

4. Wie findet man als Hochzeitsfotograf ein Alleinstellungsmerkmal?

Jeder Hochzeitsfotograf sollte sich selbst und seinem Stil treu bleiben und nicht jedem (Filter-)Trend hinterherlaufen. Denn die eigene Handschrift ist das, was den Wiedererkennungswert ausmacht und Brautpaare begeistert. Je mehr man seinem eigenen Stil treu bleibt, umso mehr etabliert man sich. Ich finde es auch wichtig, sich von Paaren nicht verbiegen zu lassen. Also zum Beispiel Foto-Motive umzusetzen, die nicht zu einem passen. Umso echter und mitreißender ist das Ergebnis.